Archiv für Februar 2010

Er riecht meine Angst!

Normalerweise habe ich Flashbacks, wenn ich Sex habe. Heute Nacht war es anders. Ich habe dagelegen, eine Doku geschaut und plötzlich war er da, dieser Dreckssack aus Rumänien, Geo. Ich sehe ihn die ganze Zeit vor mir. Ich sehe diesen alten Mann. Ich sehe wie er schon kommt bevor er drin ist. Wie er es immer wieder will, egal wo und egal wer noch im Raum ist. Dieses pedophile Schwein! Ich kann nicht mehr. Ich habe so eine riesen Angst vor ihm. Er ist überall. Egal was ich tue. Überall ist er. Ich sehe ihn in meine Zimmertür reinkommen, ich will schreien, aber ich habe keine Stimme mehr.

Ich rufe und schreibe Lisa an. Lisa ist der einzige Mensch, der mich da rausholen kann, der mich so kennt. Lisa scheint zu schlafen – sie reagiert nicht. Lila will ich damit nicht belasten, vielleicht würde es sie an sich selbst erinnern.
Irgendwann ist x da. Er schreibt mit mir, versucht mich von meinem Trip runterzuholen. Über eine Stunde dauert es, bis ich wieder einigermaszen klar denken kann und einschlafe.

Der erste Gedanke nach dem Aufwachen: Geo!
Zum Glück ruft mich mein bester Freund, Paul, an – er will sich mit mir treffen bevor er wieder in den Zug steigt um nach Hause zu fahren. Paul kennt meinen Schmerz nicht. Trotzdem fühle ich mich bei ihm sicher. Er würde nicht zulassen, dass dieser Wixxer mir etwas antut. Nur einmal ganz kurz taucht Geo auf, als ich mit Paul etwas zu Essen kaufe. Denn essen ist Schwäche. Ich müsste „Nein!“ sagen. Ich glaube, er kommt immer dann, wenn er merkt, dass ich unsicher bin und nicht „Nein!“ sagen kann.

Zu Hause, als ich auf meinem Bett sitze, ist er wieder da. Ich gerate dauernd in Panik hier. Ich weisz nicht, wie ich den hier rausbekommen soll. Das sind keine Flashbacks mehr. Das sind Halluzinationen.

Lisa versucht mir nahezulegen in eine Klinik zu gehen. Notaufnahme. Beobachtung. Medikamente. Ich will da nicht hin. Ich will nicht entmündigt werden in diesem Knast. Ich will mir meine Klinik aussuchen können. Nicht in dieses Drecksloch. Aber ich wehre mich nicht vehement. Ich weisz, dass ich hingehen sollte. Ich brauche ja Hilfe!

Erstmal bleibt aber Lila bei mir und als ich Nachts in meinen Träumen wieder tief ins Loch der Vergewaltigung falle ist sie da und sagt mir, dass mir nichts passieren wird.

Wann aber und wie wird das aufhören? Wann kann ich allein schlafen? Wann ohne Tabletten? Ist mein gebrochenes Ich wieder so zu heilen wie ein gebrochenes Bein?

Das hat Lisa mir geschickt: http://www.youtube.com/watch?v=syUSmEbGLs4&NR=1&feature=fvwp („ab ~2:00″, hat sie geschrieben. Die „Hymne der Hoffnung“)

I need you to know, I‘m not through the night. Some days I‘m still fighting to walk towards the light…

I told another lie today and I got through this day – No one saw through my games…

Heute habe ich eingekauft. Nur verbotene Lebensmittel. Mit einer groszen Einkaufstüte in der Hand habe ich den Laden verlassen. Ich habe mich geschämt. Alle mussten sehen, dass ich angespannt, nervös war. Alle mussten wissen, dass diese Lebensmittel verboten waren. Allen musste klar sein, dass ich krank bin! Vielleicht habe ich mich auch wieder ein wenig gebadet in dem Wissen, dass ich bereits zerstört bin.

Zu Hause konnte ich nicht wie sonst warten bis ich die Kalorien gezählt hatte. Ich habe einfach nur noch gefressen. Am Anfang langsam dann immer schneller und schneller. Ich habe nur noch gestopft. Wie in Trance.
Nach einem Viertel der gekauften Lebensmittel rannte ich auf’s Klo. Alles musste raus. (Da ich nicht regelmäszig kotze ist es sehr anstrengend und laut.)
Zum Glück war niemand auszer mir zu Hause. Niemandem würde ich erzählen, dass ich gekotzt habe, da war ich mir sicher. Lieber wollte ich mich und alle anderen belügen. Sie würden sich vor mir ekeln, mich hassen. Sie würden sehen wie fett ich geworden war.
Den Rest der Lebensmittel asz ich langsamer. Kotzen musste ich trotzdem.

Mir war so kotzübel. Ich weisz nicht, wie lange ich nun hungern muss um das wieder gut zu machen und ich weisz nicht wie lange ich hungern kann. Mein Körper ist ausgelaugt, verhungert. Er ist noch immer randvoll mit dieser Scheisze, aber wenn ich fresse und kotze, habe ich das Gefühl ein Teil davon würde mit herauskommen. Manchmal blute ich, wenn ich kotze. Das ersetzt das Ritzen. Und so meine Tränen, die ich nicht mehr weinen kann.

Lila habe ich es dann doch erzählt. Niemand sonst dürfte es wissen. Ich habe zu viel Angst um es zu erzählen. Vor Lila habe ich keine Angst.

You should know: you‘re not on your own. These secrets are walls that keep us alone. I don‘t know when but I know now: Together we‘ll make it through somehow

Rauschgift.

Ich habe beschlossen unsere Beziehung und meine Gefühle dazu nochmal im Gesamtbild anzuschauen. Die schönen Seiten, die Fehler, die Schmerzen.

Vieles erscheint mir jetzt so winzig klein. Viele meiner Reaktionen, kann ich nicht mehr verstehen. Warum habe ich all diese kleinen Dinge zum Desaster gemacht und diese groszen immer verschluckt? Warum habe ich nicht begriffen, dass ich aus einer für mich sehr stabilen Position total aus- und einbreche? Ich habe alle Mechanismen aktiviert, die mir beim Verdrängen helfen konnten. Ich bin dünn geworden. Ich habe wieder begonnen Kalorien zu zählen. Die Magersucht hat meinen Alltag so überschattet, dass ich seltener an das Schreckliche denken musste, was sie mir angetan haben. Erst viel zu spät habe ich begriffen, dass mein abgemagerter Körper, doch nur die Schreie meiner erstickten Stimme nach auszen tragen soll. Erst viel zu spät schrieb Lila in einem Chat-Gespräch: „Ich kenne die Wahrheit, seht mich an, mein Körper ist eure Leinwand, ihr habt euch in mir verewigt.“ Ja, es ist nicht meine Kunst, sondern eure! Täter!
Jetzt beginne ich wieder meine Stimme zu erheben. Sie wird immer lauter werden. Denn ich will nicht sterben, nur weil ihr mir das Maul stopft!
Ich will nicht sterben – warum habe ich mich daran und an die Konsequenzen, die ich hätte ziehen müssen, nicht früher erinnert? Ich habe es doch schon im Sommer begriffen, als ich schlaflose Nächte auf der Intensivstation verbrachte, weil ich den Schmerz nicht mehr aushielt.
Vielleicht war es in kleinen Momenten zu schön, um es wahr haben zu wollen. Vielleicht war ich einfach nur zu abhängig von dieser Beziehung, von Lisa.
Lila glaubt, dass Lisa wie meine Essstörung ist. „Sie macht dich kaputt und du wirst daran verrecken, wenn du sie nicht loswirst, aber irgendwie brauchst du sie auf eine kranke Art und Weise.“

Ich beginne mir Schuldvorwürfe zu machen.
„Ich möchte mir das Verzeihen. Ich wurde gebogen und gebrochen. Ja, SIE haben mich zerbrochen. Ich trage keine Schuld.“, sage ich immer wieder leise vor mich hin. Ein wenig glaube ich mir das sogar.

…Obwohl ich den ganzen Tag im Bett lag, merkte ich Abends als ich aufstand, wie sehr es an meinen Kräften gezehrt hatte, über diese Beziehung nachzudenken. Wieder fühlte ich mich allein, sehnsüchtig, verletzt, abhängig. Mein Schädel dröhnte und mir war schlecht.

Ich weisz jetzt aber wie ich da ein bisschen besser rauskomme: Ich rede mit einer gewissen Distanz mit vertrauten Personen über die Situation, lasse mich aber nicht in ihre Arme fallen, lehne mich an, lasse mich stützen, aber nicht tragen. Ich schreibe auf, was ich fühle. Ich höre gute Musik und umgebe mich mit Menschen, die an die Kraft in mir glauben, aber negative Gefühle nicht klein reden.

Und vielleicht werde ich irgendwann glücklich sein.

Hilfe für Betroffene in NRW!

Die Landesarbeitsgemeinschaft Autonomer Frauenhäuser NRW ist ein Zusammenschluss von derzeit 25 Autonomen Frauenhäusern und hat auf ihrer Internetpräsenz eine Datenbank mit Suchfunktion, über die ihr Hilfe in eurer Umgebung finden könnt.

http://www.frauen-info-netz.de/

Und jeder Gedanke an dich, reiszt mich zu Boden!

Am Anfang hab ich es kaum ausgehalten. Alles, wirklich alles, hat mich an Lisa erinnert. Ich musste nur meine Sauce mit Bohnenkraut würzen und schon war ich in Gedanken mit ihr (damals war sie für mich ein Mädchen) im Supermarkt und liesz mir erklären, wie ich Bohnenkraut nutzen kann. In der Nähe des Hauptbahnhofs sah ich uns plötzlich in der Sonne lachend über kleine Mäuerchen balancieren. Nirgendwo konnte ich mich vor Lisa schützen. Nirgendwo vor den Tränen.

Ich habe mir Hilfe geholt. Ich stehe es nicht weiter allein durch. So habe ich es geschafft mich zumindest von offensichtlichen „Vorrantreibern“ der schmerzlichen Erinnerungen zu trennen oder sie zu verstecken. Ich halte aus.

Aber immer und immer wieder tauchen da Kleinigkeiten auf, die mich zum Einbrechen bringen. Da ein kleiner Myspace-Statuskommentar bei einer Freundin, da ein Zettelchen im Collegeblock auf dem steht: „Hallo kleine Maus! – hab‘ Ich dir heut morgen eigentlich schon klar gemacht, dass ich in dich verknallert bin?! <3 ^^ schreib mich an! – große Maus“, …

Und jedes Mal liege ich da. Müde. Zerstört. Hilflos.
Verdammt, ich will kein Opfer mehr sein!

Verpiss dich, Lügner! – Meine Antwort auf das Leugnen seiner Tat

Verpiss dich! Verpiss dich mit deinen Lügen.
Du ekelst mich an. Du, der mir erzählt hat, dass er Schmerzen im Pimmel habe um eine Ausrede zu haben, sich neben mir einen runterzuholen. Du, der mir vorwarf, nur mit ihm zu spielen, ihn geil zu machen und mich dann nicht ficken zu lassen. Das ist noch lange nicht alles!

Ich hatte Angst vor dir, Angst neben dir zu schlafen und doch zu grosze Angst dich zu verlieren, um gegen dich und deine ekelhaften Vorstellungen zu kämpfen. Jetzt kenne ich die Wahrheit, du Lügner! Du Mann!

Du wolltest keine Nähe, du wolltest nur deinen Penis in mich stecken. Du hast es getan, obwohl du wusstest, dass ich keinen Sex haben kann. Du hast es getan mit dem Wissen, dass ich dabei Schmerzen habe. Aber du bist ja ein armer Mensch der so sehr unter seiner Männlichkeit leidet.
Ich habe dir geglaubt!

Du bist nicht willenlos gegen deinen Penis! Nein, das bist du nicht! Du wirst nicht geil, weil ich dich zwinge das zu tun, sondern weil du es so willst!
Du bist nicht das Mädchen in das ich mich verliebt habe. Du bist der Mann der mich unterdrückt hat, begreif es endlich, Arschloch!*

DU hast MICH unterdrückt! Du hast „es“ mir angetan.
Und nun hast du Angst vor deiner eigenen Tat. Du hast Angst die Konsequenzen ziehen zu müssen, also drehst du lieber alles um, stellst dich wieder als die arme Kleine dar, die unter einer psychisch kranken Person leidet.

Du bist ein Lügner, ein dreckiger Lügner. Ein Opfer deiner selbst, aber nicht meines! Du hast mich wieder zum Opfer gemacht! Ich will es nicht mehr sein! Ich will dich hassen! Endlich hassen, um dich nicht mehr schützen zu müssen, um nicht mehr unter dir leiden zu müssen, um dir die Kehle abschnüren zu können bis ich meinen Atem wieder habe. Den hast du mir geschenkt um mich wieder zu berauben. Dreckssack!

Du tust mir so unglaublich weh. Du weißt gar nicht, wie weh du mir tust.
Ich will weinen, schreien, toben. Aber ich kann nicht mehr. Nichts mehr. Ich bin müde. Nurnoch unendlich müde.

*Auch hier nochmal zur Erklärung: Bei Lisa handelt es sich um einen biologischen Mann. Ich habe ihn in seiner Transsexualität versucht zu unterstützen – ich sehe aber nun, dass eine männlich sozialisierte Person nicht so schnell zur Frau werden kann.

Die Forderungen an das Umfeld

Wir, als Betroffene,fordern…

…Solidarität mit den Betroffenen!
Das heißt:
-Ausschließung vom Täter aus sämtlichen Gruppen, die sozial oder politisch auf irgendeine Weise mit den Betroffenen in Verbindung stehen! Das bedeutet auch, dass keine Tätergespräche ohne Absprache mit den Betroffenen geführt werden und der Täter Veranstaltungen der Gruppen nicht besuchen darf.
-Die Anonymität der Betroffenen zu wahren! Kennt jemand die Identität der Betroffenen, heiszt das nicht, dass andere sie auch kennen sollten.
-Keine „skeptischen“ Nachfragen! Wir wollen uns nicht für unsere Handlungen rechtfertigen müssen. Schuldvorwürfe oder Fragen nach Details sind vollkommen unangebracht!
-Die Mistgabel im Schuppen zu lassen! Spontane Aktionen gegen den Täter sind nicht zum Wohle der Betroffenen!
[…]
…den Ausschluss von anderen den Täter schützenden Personen aus dem Umfeld!

All diese Forderungen sind nicht dazu da den Täter zu bestrafen und sich zu rächen, sondern dienen allein dem Schutz und dem Wohl der Betroffenen.

Der Schrei – Ein Brief an den Täter nach einer Konfrontation

Liebe Lisa,*

ich möchte zu dem was gestern passiert ist noch ein paar erklärende Worte hinzufügen.

Es war nicht unsere Absicht dich zu „verprügeln“ oder dass du das so empfindest (x bezeichnete es so). Unsere Absicht war, dir zu zeigen, was der Schmerz mit uns anrichtet, dich zu einer Reflektion anzuregen (was ist da los, wenn es so weit kommen muss?), zu verhindern, dass das nochmal jemandem passiert.
Ich zumindest glaube, dass du (vielleicht mit Hilfe einer Therapeutin) in der Lage bist das zu reflektieren, dass du ein besonderer Mensch bist, der es verdient hat das zu tun und sich durch sein Verhalten nicht selber Leid zufügen sollte.
Du kennst die Theorie. Mit niemandem hab ich so grosze und schöne Träume gehabt, wie mit dir. Ich möchte, dass du/wir es schaffen den Schmerz loszulassen irgendwann und unsere Träume Realität und Praxis werden.
(mehr…)

Mord!

Wenn du mich fickst. „Wenn wir ficken.“ Du mich wir ich sie uns, ich kann nicht immer „wir“ sagen, denn ich bin nicht immer da. Manchmal verlasse ich meinen Körper und kehre an einen Ort zurück, den ich aus der Vergangenheit kenne, und beobachte mich selbst dabei, wie ich gefickt werde. Manchmal weine ich und hoffe, du bemerkst, dass ich nicht da bin. Ein anderes Mal beisze ich meine Zähne zusammen, mir wird kalt, ich schöpfe Kraft daraus, bereits zerstört zu sein, und Kraft aus meinem Hass auf dich. Es macht mir Spasz herauszufinden, wieviel ich ertragen kann. Normalerweise mache ich einfach weiter mit, denn das ist alles, was ich je gekannt habe – es schmerzt zu sehr, viel mehr zu erwarten.

Für mich gings beim Sex immer darum, einen Jungen zum Absteigen zu bringen, und darum, was mein Körper dazu beitragen kann. Ich habe gelernt die ganze Sache zu beschleunigen, um sie so schnell wie möglich hinter mich zu bringen und rauszukommen.

Ich traue meinem Urteilsvermögen nicht. Ich traue mir selbst nicht, Dinge so wahrzunehmen, wie sie WIRKLICH sind. Die Wirklichkeit. Als ich heute zufällig zwei Bekannten auf der Strasze begegnete, redete ich viel und total schnell, aus Angst, sie könnten denken, ich sei verrückt. Ich hatte das Gefühl, sie suchten Anzeichen und Beweise für meine Verrücktheit.

Der zweite Typ, mit dem ich Sex hatte, wollte mir andauernd an die Wäsche ran, sobald wir mal eine Minute allein waren, egal wo und egal wann. Es machte mich wahnsinnig, aber ich bekam sonst keine Liebe, hatte kaum richtige Freunde und zu der Zeit auch keine Wärme, die mich zu Hause erwartete. Ich hatte sonst niemanden. Er gab mir die meiste Aufmerksamkeit, Wärme und Zuneigung, die ich kriegen konnte. Wir machten also diesen Ausflug; ich hatte keine Kondome mit, und er auch nicht – es waren keine aufzutreiben (behauptete er jedenfalls). Er brüllte mich an, weil ich keine mitgenommen hatte. Als wir in unser Zimmer kamen, versuchte er sofort, mich zu ficken (ich schmuse lieber herum). „Nicht ohne Gummi“, sagte ich. Er beschwerte sich, jammerte, heulte, aber ich blieb standhaft und deutlich. Er hielt sich nicht daran und steckte ihn ganz schnell rein. Dieses merkwürdige Spiel ging immer weiter bis ich zu müde war, mich zu widersetzen. Müde.

Später in der Nacht legte er sich dann immer noch mal auf mich drauf. Wenn mich sein Ständer dann aufweckte, sagte ich ihm, dass ich müde sei und früh zur Schule müsse. Er meinte, er müsse aber nochmal kommen, sonst könne er nicht schlafen und bekäme „blaue Eier“. (Ich hatte doch überhaupt keinen Schimmer von Sexualität. Ich hatte das echt geglaubt.) Ich sagte ihm, er solle ins Bad gehen und sich’s mit der Hand besorgen. „Das ist nicht wie richtig ficken“, sagte er. Ich war so müde und wollte nur meine Ruhe haben, daher liesz ich mich nochmal ficken. Um es hinter mich zu bringen.

Ich wünschte, alles würde anders riechen. Ich mach mich selbst noch ganz krank, aber ich bin auch schon ganz krank vom Kranksein. Ich weisz nicht, wie ich da rauskommen soll.

Sie sagt, sie will mit niemandem knutschen, mit dem sie nicht auch schlafen will. (Kurzer heftiger Schmerz.) Im Moment geht mir so viel Scheisze und Angst im Kopf herum, dass ich oft von einer Minute zur anderen nicht weisz, was ich will. Ich bin bis über beide Ohren in diese Frau verliebt. Sie zu knutschen und berühren empfinde ich als total lustvoll, leidenschaftlich, auch furchteinflöszend. Ich glaube, sie kann sich nicht vorstellen, dass das schon Sex für mich ist. So als wäre mir nie etwas abhanden gekommen.

Er war distanziert und kalt, wenn ich warm und herzlich sein wollte, ich war verzweifelt und glücklich zugleich, wenn er mit mir schlief (auch wenn ich in dem Moment vielleicht gar keine Lust hatte). Aber ich konnte ja nie wissen, wann seine Zuneigung wieder in meine Richtung blasen würde. Ich erinnere mich an seine Hände nach Tagen der Funkstille, Kälte und Streiterei; Sex schien die einzige Lösung, die einzig mögliche Form der Kommunikation, das einzige was ich von ihm kriegen konnte. Alles zielte aufs Ausziehen und möglichst viel Verkehr ab.

Nahrung hat keinen Geschmack für mich.

Ich weisz nicht was ich will und wenn ich es mal weisz, ist es viel zu seltsam, um danach zu fragen. Normalerweise weisz ich was ich nicht will.

Ich schlafe nicht mehr, ich kann nicht, wenn ich schlafe, habe ich andauernd den gleichen Traum. Mein Körper zieht sich zusammen. ich bin unehrlich. Hab kein Vertrauen. Aber was ist Ehrlichkeit und Vertrauen? Was hält mich tief in mir gefangen?
Wenigstens kann ich ihm im Traum jede Nacht ins Gesicht schlagen. (Ich lebe für solche Kicks.)

Es hiesz, der Traum bedeute, „Mord: ihn zu begehren = Sieg“.

Erste Schritte aus der Passivität – ein Brief an ihn

Ich hab mir etwas überlegt und würde dein Einverstädnis abwarten:
Ich möchte dir gerne einen kurzen Text darüber schreiben wie ich die Situation am Mittwoch wahrgenommen habe. So weiszt du dann, inwiefern ich mich in meinen sexuellen Grenzen verletzt gefühlt habe.
Ältere Grenzverletzungen, vor allem die der psychischen Integrität, werde ich nicht auseinandernehmen, denn ich denke nicht, dass uns das momentan noch weiterhilft.
Du kannst das gerne erstmal auf dich wirken lassen und mir dann wenn du es für notwendig empfindest auch was zu den Grenzverletzungen erzählen, die von meiner Seite kamen – mir sie ein wenig besser erklären.
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