Die zwei Seiten der Angst vor dem Verlust

- Ich schlucke alles runter, damit mein verletzliches Wesen nicht zerstört wird. Runterschlucken tu‘ ich schon alles immer, was meine (psychische) Integrität angreift.
- Symptom ist gerade primär die Situation in der wir uns befinden. Ich verschlinge das alles wieder so, dass ich mich taub und leer fühle. Am Liebsten würde ich zu dir rennen und schreien: „Alles ist wieder gut. Du hast mich gar nicht verletzt. Ich will dich nie verlieren. Arm. …“
- Ursache: Die vermeintlich schwache Seite der Verlustangst. Das hat natürlich wiederum eine Ursache, würde mir jetzt aber zu weit gehen.
- Die andere, wohl vermeintlich starke Seite ist, zu denken: „Du hast mich garnicht verletzt, weil ich unverwundbar bin und auch ohne dich auskomme. Ich lauf jetzt einfach weg vor dir. …“ oder so ähnlich.
- Ich habe das Gefühl etwas von dieser Seite in dir zu sehen. Damit bist du aber nicht stärker, eigentlich nur ganz genauso verletzt und ängstlich wie ich. Du machst dich nur auf eine andere Art „unverwundbar“.
- In beiden Fällen scheint die Angst im Konflikt zu groß, als dass du glaubst eine Konfrontation mit eben dieser bestehen zu können. Deshalb fliehen Menschen immer in die eine oder andere Richtung.
- Du ignorierst mich immer und verhinderst jede Kommunikationsmöglichkeit. Ich versuche dich dauernd zu erreichen. Beide Reaktionen werden hierdurch noch mehr ausgeprägt.
- Ich glaube, in solchen Situation müssen Menschen manchmal nur selbst verstehen, wieso sie tun was sie tun und wenn sie’s von allein nicht können, dann hilft es ihnen oft, erklärt zu bekommen, was jemand anders glaubt, wieso sie so handeln. Dann hören sie meist schon auf so zu handeln und es ist wieder möglich, über die eigentlichen Inhalte zu reden. So geht es mir jedenfalls wenn ich endlich mal jemanden finde, der mir hilft mich selbst zu verstehen.
- Wie der ganze Teufelskreis zu durchbrechen ist weiß ich nicht. Aber es könnte doch helfen einfach immer wieder anzuhalten und sich selbst zu fragen: „Halt stop, was genau tu‘ ich hier gerade?!“ und dann fragen: „Halt stop, was tut die/der Andere da gerade?“ und wenn dafür eine gute Erklärung gefunden ist, dann können meist beide erstmal wieder aufhören das zu tun. Und wenn nicht, dann ist es für den/die Andere/n zumindest nichtmehr so schlimm (vielleicht).
- Das ist vielleicht der ganze Witz daran: sich zu verstehen und dann trotz der ganzen Angst zu kommunizieren, wie man sich wirklich fühlt
- Es ist garnicht nötig sich um 180° zu ändern und perfekt zu werden. Es ist nur nötig sich gegenseitig zu verstehen und sich immer wieder auf’s Neue verstehen zu wollen.
- Mir gehts jetzt auch schon besser, wenn ich weiß, dass ich dir garnicht egal bin, sondern im Gegenteil wahrscheinlich auch total wichtig. Weshalb du ja gerade solche Angst hast und dich soundso verhältst (so denke ich)…