Archiv für März 2010

Krank.

Mein Mitbewohner hat mich heute morgen geweckt, weil ich im Schlaf geschrien hab. An den Traum erinnere ich mich nicht. Vielleicht war er zu schrecklich.
Ich fühle mich, als hätte ich keine Sekunde geschlafen diese Nacht. Mein Rücken schmerzt. Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Seit Tagen habe ich diesen heftigen Husten. Gestern habe ich, nach einem „Streit“ oder vielleicht besser Schlagabtausch mit Lisa, all ihre_seine Kontaktdaten gelöscht. Ich war kalt und hart. Nichts habe ich gefühlt. Jetzt fühle ich den Schmerz. Eigentlich bin ich aber taub. Ich verdränge. Angst, Schmerz, Liebe, Hass – extreme Gefühle kenne ich nicht mehr.
Normal? Oder krank?

Psychiatrie. Weinen. Bluten. Kotzen. Leben?

Paula: ich bin mal wieder am abrutschen. aber vllt hast du recht: es muss sein, damit ich in die klinik gehe..

Lila: „man soll sich an den kleinen Dingen im Leben erfreuen“
aber „lass dich von solchen Kleinigkeiten doch nicht fertig machen“ja so ist das….
ICH KÖNNTE KOTZEN
meine erkenntnis des tages. grrr

Paula: waaaaa… wer sagt denn sowas?? :-! kleinigkeiten blablabla.. was nützen mir denn kleinigkeiten, wenn mein ganzes scheiß leben ein einziger abfuck ist??

Lila: ja eben!!!! genau das ist es ja. alle sagen dir immer man muss auch mal die kleinen sachen im leben schätzen und bla bla bla . aber den schlimmen sachen soll man keien bedeutung schenken. das ist doch mal wieder typisch. grrrr.

Paula: ggafhgsäojjjj

Lila: genau das

Paula: ich hasse menschen. sie malen sich das leben schön. warum will denn niemand die wahrheit sehen? warum muss ich mir die birne zusaufen, damit ich hier klarkomme? warum kann ich nicht auf partys gehen, wenn ich weine? warum warum warum..

Lila: manchmal habe ich das gefühl dass das einzige was wir machen können ist, dass wir unser gehirn abschlaten. irgendwie habe ich angst dass genau das in der klapse passiert.

Paula: ja, ich auch. ich hab mich wieder geritzt…

Lila: weißt du.. ich denke immer, ja mein leben ist eine einzige scheiße… aber zumindest ist es ja noch mein leben..
was war der anlass?
und ich habe angst dass ich als polly pocket zurück komme

Paula: es ist das einzige was wir haben – dieses leben.
alles gerade. dass ich krank bin. meine unordnung. dass ich kein geld hab. dass ich mich nicht geliebt fühle. … ich will nur noch in ner ecke liegen und weinen…

Lila: vielleicht kannst du es ja bald.

Paula: ich glaube nicht, dass wir als polly pocket zurückkommen. natürlich wird sich etwas ändern, aber so schnell zerstören sie uns nicht.

Lila: weinen weinen weinen weinen weinen weinen….. und loslassen..

Paula: vielleicht. :/ ich hab angst dass das nicht passiert sondern ich mich nur in deren stigmas anpasse und einen öden scheiß stumpfen alltag lebe. dass ich eben nicht wirklich aufarbeite.

Lila: ja noch schlimmer. ja. sondern nur anders lerne zu verdrängen. aber ich denke dass das nicht passiert. ich meien… es kann ja quasi nur besser werden oder? und eigentlich ist es auch egal wie wir da rauskommen.. ich glaube irgendwo auch nicht dass man einen menschen so verändern kann. und es gibt ja auch noch menschen die wissen wer du bist.
und woher wollen wir wissen dass das was wir jetzt sind wirklich wir sind? sind es nicht nur abblilder von dem was man uns angetan hat? „unsere körper sind eure leinwand“ es wird zeit dass es unsere werden

Paula: ja! mich macht das gerade alles total fertig. aber ich habe mut und kraft und hoffnung.

Lila: ja. das ist gut. das sind dinge die du verdammt brauchst. und die dein ganzes leben lang da waren. aber ich finde es wird nun zeit für uns nicht mehr nur zu überleben sondern zu leben!

„Liebe ist wie morgen…vielleicht nie!“

Aufgedreht.

Aufgedreht.Haltlos.Laut.Schrill lachend.Alkoholisiert.Tänzelnd.Spielend.glücklich quiekend. …
Wenn tolle Menschen um mich sind, neue Menschen um mich sind, neue Ideen entstehen, das Bier sich in mein Blut mischt, dann drehe ich auf. Ich bin verliebt in mich und alles und jede_n. Ich kann mich kaum halten vor Glück. Glück? Ich weisz nicht ob es Glück ist, denn im nächsten Moment – ja, es braucht nur eine Kleinigkeit vermeintlich falsch laufen – falle ich. Ich falle zu Boden. Dann liege ich da. Der Schmerz, der (Selbst-)Hass und die Unsicherheit drücken mich nieder.
Gebrochen.Vergewaltigt.Gefangen.Gefallen. … Tot!

Porno.

Ich hasse Pornos. Nein, eigentlich hasse ich sie nicht. Ich hasse es, wenn Menschen sie in meiner Anwesenheit schauen. Mein Mitbewohner hat einmal „im Spasz“ ein Porno angemacht, während wir mit anderen Menschen im Wohnzimmer saßen und Wii zockten. Zuerst habe ich gelacht und dann wurde es zu viel: Ich habe mir die Augen zugehalten und mehrmals hintereinander deutlich gesagt, dass er es aus machen solle. Er hat nicht reagiert. Irgendwann musste ich einfach weggehen. Erst da schaltete er das Porno aus.
Ich hätte seinen Scheisz-Leptop durch die ganze Wohnung schmeiszen sollen, statt mir das anzutun, denke ich jetzt. Das ist doch auch sexualisierte Gewalt, oder? Immer wieder spielt sich die Situation in meinem Kopf ab. Ich habe etwas falsch gemacht. Ich habe mich verscheuchen lassen. Nein, er hat etwas falsch gemacht, oder? Bin ich schuld? Würde ich es beim nächsten Mal anders machen? „Du bist nicht schuld!“ oder „Du schaffst das, Girrl!“, würde Lila vielleicht sagen.

Esstörung als Überlebensstrategie

Was ihr von mir wollt, das kotzt mich an
Bulimie als weibliche Überlebensstrategie – eine Gratwanderung zwischen Verweigerung und Anpassung
Joana Rivas

Seit Mitte der 80er Jahre boomt in den westlichen Industriemetropolen die Essstörung Bulimie, die davor weder ein gesellschaftliches noch in fachpsychologischen Diskussionen ein nennenswertes Thema gewesen war. Die Betroffenen sind zum großen Teil Frauen und ihre Anzahl steigt mit zunehmender Tendenz. Diese Form des gestörten Essverhaltens steht im Kontext sich verändernder Leitbilder und Anforderungen an Frauen. Sie ist eine mögliche Überlebensstrategie gegen Normierungsdruck und struktureller (sexualisierter) Gewalt und sollte Konsequenzen für linke Politik haben.
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Living in a Rape Society

Etwa sechs bis 13 Prozent aller Männer haben in ihrem Leben mindestens eine Frau vergewaltigt. Nein, nicht die Männer, die man von den RTL Nachrichten kennt. Nicht die mit dem Phantombild. Nicht die Kinderschänder und nicht die, die nachts auf Frauenparkplätzen warten.

Das Bild, das Medien von Vergewaltigern zeichnen ist zwar bittere Realität, aber in den sechs bis 13 Prozent die kleinere Gruppe. Vergewaltiger, die Frauen nachts in den Busch zerren, ihr ein Messer an die Kehle halten und sie schänden, sind nicht die Mehrheit. Die Mehrheit sind Männer, Freunde, Arbeitskollegen, Partner, Sportler, Banker, Hausmänner, Arbeiter, Intellektueller (http://yesmeansyesblog.wordpress.com/2009/11/12/meet-the-predators/). Diese Männer halten ihren Opfern kein Messer an den Hals sondern Alkohol an den Mund.
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