Archiv für Juni 2010

Auch wieder nur ein Arschloch

Wenn ich „Stop“ sagte, machte er weiter, erst wenn ich ihn anschrie hat er aufgehört. Wenn ich allein unterwegs war und Zeit mit meinen Freund_innen verbrachte warf er mir vor, dass ich mich nicht melden würde – seine Ex-Freundin würde sich schließlich auch melden. „Seine Frau“ müsse alles für ihn machen, da er ja auch alles für sie täte, erzählte er mir überzeugt. Die erste Frage am Telefon war, ob ich ihn betrogen hätte. ..und und und. Keine Beziehung mit der ich es zu Leben vermochte. Stress pur.
Dabei dachte ich, er sei der kuhlste Typ überhaupt – so kann man sich täuschen. Meine Theorie, dass Macker im Bett nicht die Mächtigen spielen müssen hat sich damit wohl auch erledigt. -.-

Übrigens kann ich diesmal aber besser damit umgehen. Kein Hungerstreik, keine Selbstverletzung, … einfach nur vorbei.

Sind Kioskbesitzer auch nur Schweine?

Gerade war ich beim Kiosk an der Ecke. Der nette Besitzer schloss mir nochmal auf und verkaufte mir meine Zigaretten. Dabei blieb es aber nicht. Nein, er fragte warum er mich so selten sehe in letzter Zeit und als ich ihm eine ehrliche Antwort gab, nahm er mich schneller als ich sehen konnte zu lang in den Arm. „Wann sehe ich dich nochmal wieder?“, „Willst du etwas zu trinken?“, „Willst du Feuer?“ … Ich hab mich rausgeschlichen, aber die Angst sitzt mir noch im Nacken und hämmert mir Horrorszenarien in den Kopf. Allein gehe ich da erstmal nicht mehr hin.

Klapsentagebuch – Mai 2010

2. Mai 2010

Immer dieses schlechte Gewissen. Diese Scham. Sexualität? Das ist nichts was mich berühren darf. Daran darf ich nicht denken. Sexualität ist doch nichts für mich…
Noch bzw schon mit 13/14 Jahren teilte ich meiner besten Freundin meine Träume mit und lebte sie mit ihr aus.. und nun bin ich so verklemmt (?) ! :(
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Klapsentagebuch – 23. April 2010

Dominika ist weg… Verlegt nach Hause in ihr Krankenhaus. Ich habe Angst, dass sie stirbt. Eigentlich sollte mich das nicht belasten, sollte ich mir den Schuh nicht anziehen…
Aber es betrifft mich ja auch, wenn sie nicht da ist: Ich bin die einzige Magersüchtige. Die einzige, die nicht alleine runter gehen darf. Die einzige, die am Wochenende nicht nach Hause kann…
Einsam…
Zum Glück bekomme ich wenigstens lieben Besuch: Ira, x, Mama.. vielleicht x?!
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Auf Stelzen gehen (5)

„Und ich lache. Alles halb so schlimm. Hier in Deutschland erfriert man nicht. Hier in Deutschland verhungert man nicht.“

HUNGERKOPFSCHMERZEN
OHRGERÄUSCHE

Auf Stelzen gehen (4)

Ich falle auseinander. Nichts passt mehr zusammen. Ich habe Gefühle wie ein Kind, den Körper einer Verhungerten, das Wissen einer intelligenten Gymnasiastin, die Attitüde eines souveränen Gewinners, die Einsamkeit eines Gefangenen. Ich bin nur noch Teile.

Auf Stelzen gehen (3)

„Ich kann es nicht ertragen, wenn jemand mir körperlich nahe kommt. Wie kann jemand diesen Körper mögen, den ich doch selbst nicht mag? Wie kann jemand berühren wollen, was ich nichtmal anzuschauen wage? Mein Körper ist abstoßend. […]
Wie können Menschen sich berühren wollen? Es ekelt mich an. Lust. Geräusche. Gerüche. Großporige Haut. Einlassen. Vertrauen. Sich aufgeben. Ich will von niemandem abhängig sein, von niemandem berührt werden, und ich will auch nicht, dass jemand von mir abhängig ist. Autonomie, das höchste Ziel. Ich vergesse, dass manche Abhängigkeiten aufzugeben tödlich ist. Die Luft. Die Luft!“

Auf Stelzen gehen (2)

„Wenn ich drogenabhängig wäre. Wenn ich Krebs hätte. Wenn ich blass wäre mit dunklen Augenrändern. Wenn ich ganz, ganz dünn wäre. Das wäre etwas anderes. Dann hätte ich Anspruch auf Hilfe. Dann würde jemand SEHEN. So sieht mich niemand. Niemand versteht, wie drogenabhängig, krebskrank, blass, augengerändert und dünn ich innerlich bin.“

Auf Stelzen gehen (1)

„Als ich 17 war, begann ich zu sterben, mit 19 hatte ich es fast geschafft. Ich bin noch einmal umgekehrt. Warum? Vielleicht weil jemand mir gesagt hat, dass es sich nicht gehört, so zu sterben. Vielleicht weil ich doch auf einmal Angst bekommen habe. Vielleicht weil ich an einen Ort gekommen war, wo man mich nicht in Ruhe sterben ließ. Vielleicht aber auch, weil ich endlich einmal ausprobieren wollte, was denn das andere ist, wie es sich anfühlt, was es wohl für eine Erfahrung ist. Das, was ich noch niemals versucht hatte, von dem ich keine Ahnung hatte, wie es ging: Leben.“

Klapsentagebuch – Woche 2

„Wenn jemand sie berührt, tut es ihr weh. Vor Scham kann sie nicht mehr wachsen. Sie kann nur Angst haben vor den schrecklichen Dingen, die passieren werden, wenn sie redet.“

12. April 2010

Wiegen. 500 – 600g zugenommen. Panik, Aggression, Hilflosigkeit. Ich will das Essen durch den ganzen Raum werfen, den Spiegel und das Bushaltestellenschild eintreten.
Meine Zimmernachbarin ist für mich da und die Pflegerin kümmert sich um ein Beruhigungsmittel.
Nach dem Duschen – krass, dass ich das überhaupt geschafft habe – geht es mir besser.
Die Unruhe in mir verschwindet nicht, aber irgendwie wird mein Körper ruhig. Ich kann mir ein wenig Gutes tun.
Schreien würde ich immernoch gerne…
NIEMAND SOLL MICH ANFASSEN! NIEMAND SOLL MICH SEHEN! Wenn ich zunehme sehen sie mich wieder. Dann werden sie mich wieder wie ein Stück Dreck gebrauchen und wegwerfen – so denke ich in meinem Trauma. Ich bin gefangen.
Ich will jemanden finden, der nicht „das“ tut. Aber kann ich jemanden finden wenn ich schon erwarte, dass mir immer wieder genau „das“ passiert?
„Lern erstmal für dich allein hier zu sein, Paula“, höre ich meine innere Stimme leise sagen. Ich muss ihr glauben, dass ich es lernen und verarbeiten kann. Ich will ihr glauben – irgendwann.

LASS DIE ZEIT EINFACH MAL STILL STEHEN!
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