Archiv für Dezember 2010

Vergeltung.

Die weißen Wände. Die weiße Bettdecke. Das weiße Kissen. Seine Haut. Ihre weiße Haut und ihr weißes Kleid. – Blutüberströmt.

Das Messer hatten die Erinnerungen tagtäglich Jahre lang geschliffen. Es sollte ihn zerfetzen, wie er sie zerfetzt hatte. In Stücke, die nie wieder ihren Weg zueinander finden konnten ohne Narben zu hinterlassen. Narben, derer es aufzureißen nicht viel vermochte.

Die weißen Wände. Die weiße Bettdecke. Das weiße Kissen. Seine Haut. Ihre weiße Haut und ihr weißes Kleid. – Blutüberströmt.

Das Messer – matt glänzend rot.

Abgeschminkt?

„Hey Paula, wie geht es dir?“, fragt er mich. Erwartet er eine ehrliche Antwort? Erwartet er, dass ich mir wirklich wieder überlege wie es mir geht? Erwartet er, dass ich mich auskotze? Die Kotze würde über sie alle schwallern, wenn ich nur meinen Mund aufmachte und die Wahrheit verkündete.
„Passt schon“, antworte ich – so wie ich es gewohnt bin. Er wird es nicht hinterfragen, nicht durchschauen. Ich werde nicht kotzen müssen.
„Du siehst nicht gut aus. Dünner als sonst. Das ist nicht gut. Irgendwie mache ich mir Sorgen um dich. Geht alles in Ordnung?“ – Scheinbar meint er es doch ernster als ich vermutet hatte. Ich fühle mich angegriffen. Nein, meine Fassade fühlt sich angegriffen.
Aber ich lasse mich nicht abschminken!
Ich beruhige ihn damit, dass ich mein Gewicht seit einiger Zeit halte und dass ich regelmäßig Nahrung zu mir nehme. Solange ich esse ist doch alles in Ordnung.
Oder?