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Working on Wonderland

Mir ist schwindelig. Nackenschmerzen. Kopfschmerzen. Tinitus. Schwindel. Übelkeit. Seit Tagen. Ich bekomme Angst. Ist das das Ende? Ja, das klingt nach Selbstmitleid, übertriebener Panik (dafür schäme ich mich vor mir selbst). Und ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich Angst habe zu sterben, weil ich gegessen habe oder weil ich gehungert habe. Hab ich nur einfach Angst mich zu verlieren? Angst vor dem Kontrollverlust? Ich weisz nicht einmal mehr ob ich magersüchtig bin oder ob ich es mir einbilde. Ich weisz es nicht. Nichts weisz ich.

Ich begebe mich wieder in diese Beziehungen zu Menschen, die mir (vermeintliches?) Selbstbewusstsein verschaffen. Diese Beziehungen bei denen ich nicht weisz, ob sie mich von meinem Weg ablenken, ob sie mir eine Stütze oder ein schöner Moment am Rande meines Wegs sind. Sind es jene Beziehungen, die ich eingehe, weil ich (?) krankhaft nach Nähe schreie, nach getragen werden, danach Verantwortung abzugeben? „Paula, hör auf zu denken und geniesze“, sagt eine Stimme. Eine andere sagt: „Paula, pass auf dich auf! Pass auf dein Leben auf!“. Vermutlich muss tatsächlich ich entscheiden welcher Stimme ich vertraue. Aber Entscheidungen treffen.. das würde ja Verantwortung bedeuten. Hatte ich davor nicht diese Angst?

Gedanken drehen sich im Kreis.

Beginnen wir noch einmal. Gegenmodell: Hallo, ich bin Paula und ich übernehme Verantwortung für mich und mein Handeln. Wenn mir am Montag noch schwindelig ist, werde ich zum Arzt gehen. Weil ich leben will, werde ich essen. Weil ich um mich sorge, werde ich immer wieder in mich hineinhorchen und mich fragen wer mir gut tut und wer mich von mir selbst ablenkt (wer mich von mir selbst ablenkt, ist nicht gut für mich). Ich bin stark, wenn ich Verantwortung übernehme. Ich will eine starke Frau sein.

Wo immer ich bin, du bist bei mir

Es ist viel zu spät in der Nacht. Ich sollte schlafen, denn morgen wartet ein Tag voller Leben auf mich. Und müde bin ich ja ohnehin immer. Leben macht müde. Ich sollte schlafen. Schon lange. Stattdessen höre ich Musik. Musik, die mir hilft die Tränen vom Herz auf die Wangen zu schleusen. Ich sollte schlafen. Schon lange. Stattdessen gucke ich Filme. Kitschige Filme, die Projektionsfläche bieten für den Schmerz einer jeden.
Die letzte Zigarette rauchen. Den kalt gewordenen, süszen Tee trinken in dem immernoch der Teebeutel herumbaumelt. Eine SMS schreiben. Auf eine Antwort hoffen.

Das letzte Lied.. Anna Ternheim.
„Fly me to the moon / Let me play among those stars / Let me see what spring is like / On jupiter and mars / In other words, hold my hand / In other words, baby kiss me“
Dein Arm um meinen Körper geschlungen. Ich spüre dich ganz nah bei mir. Ein warmer Blick, ein Kuss bevor die Augen zufallen. Du bist bei mir.

Leben.

Du gibst niemals klein bei!

Eine Elfe sein.

Elfen sind leichte, kleine Wesen, ihre Gesichtszüge sind fein geschnitten und ihre Körperform schlank und geschmeidig. Sie tragen leichte anschmiegsame Kleidung und fühlen so intensiv, dass sie wissen wer in der Nähe ist ohne die Augen zu öffnen. Elfen können auch starke Kriegerinnen sein, aber ihre Rüstung tragen sie nur zum Kämpfen.
Ich habe mich nie wie eine Elfe gefühlt. Neben meinen Freundinnen, die meist kleiner waren als ich, fühlte ich mich riesig und ungelenk. Hinter Kleidung und Make-Up habe ich mich so versteckt, dass niemals eine elfenhafte Leichtigkeit hätte sichtbar sein können.
Dann bist du gekommen. Und du nennst mich deine Elfenprinzessin oder deine Glitzerelfe. Alle Eigenschaften, nach denen ich mich immer gesehnt habe, siehst du in mir. Du siehst, dass ich wunderschön bin. Du siehst, dass ich leicht und sensibel bin. Du siehst, dass ich manchmal eine Rüstung anlege, aber du lässt zu, dass ich sie bei dir ablege.
Ich bin deine Elfe.

Ich liege im viel zu groszen Bett. Rosafarbene Wände. Bären- und Löwenbettwäsche. Zusammengekauert und klein. Kleines Mädchen. Zerbrechlich und unscheinbar.
Träume davon in deinen männlichen Armen zu liegen. Getragen werden.
Vor einer Minute noch eine Frau – muskulös, unabhängig, grosz. Nun will ich die Elfe, die Prinzessin sein, die ich ohne deine starken Arme nicht sein darf.
Ich will mich hinwerfen und weinen. Ich will mich einfach fallen lassen und aufgefangen werden. Ich will wissen, dass da unten auf dem Grund weiche rosafarbene Zuckerwattewolken sind, die mir ein Bett bieten für den ewigen Schlaf.

„Was wirklich zählt, ist nicht, dass man stirbt, sondern, was man in diesem Moment tut. Renée, was haben Sie in dem Moment getan, als Sie starben? – Sie waren bereit zu lieben.“ [Paloma in „Die Eleganz der Madame Michel“]

„Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“ [aus: Anna Karenina von Leo Tolstoi]

Das Flusensieb.

Nachdem ich festgestellt hatte, dass meine Waschmaschine nicht mehr sauber wusch, leerte ich das Flusensieb aus. Ich hockte vor dem Klo und pulte mühselig die ekelhaft glibbrigen dunkelgrauen Flusen aus dem Sieb. Die klebten und hakten im Sieb. Ich hielt es unter das Waschbecken und spülte und pulte und schrubbte weiter. Irgendwann waren da keine Flusen mehr, kein Glibber, kein Ekel. Aber das Sieb – das einmal weisz war – hatte eine gräulich gelbe Farbe angenommen. Die Waschgänge hatten ihre Spuren hinterlassen. Und plötzlich wusste ich, warum mich diese Prozedur so fanszinierte, so gebannt hielt: Ich bin ein Flusensieb. Menschen sind Flusensiebe.

Ich bin keine Kurzgeschichte. Ich bin ein Roman.