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Mach mich nicht kaputt!

Er/sie gibt es nicht auf, mir immer wieder diese Schmerzen zuzufügen. Zack … er rammt mir das für ihn bestimmte Messer in die Brust. Ich lerne wieder glücklich zu sein. Ich habe einen Menschen, den ich nach Jahren endlich wirklich aus freiem Willen an mich heran lassen kann. Ich kann die Schmerzen immer wieder mit guten Momenten ausgleichen und dann… Lisa schafft es wohl doch noch mich ganz zu zerstören.

Zwei sms erwarten mich als ich aus der Badewanne komme: „Hast wohl gelernt wie wichtig mein schweigen für dich ist.“ und dann: „Scham, angst, schuldgefühl, der drang zu vergeben, ekel, selbsthass, schande, nicht angefasst werden können, schweigen, alles mit sich machen lassen, isolation… Na? Kennst du das irgendwoher?“
Erst ist da nur Unverständnis meinerseits, dann kommt die Erinnerung, der Schmerz. Ich will weinen, weinen, weinen. Aber es geht nicht. Ich habe zu viele Tränen für/wegen Lisa geweint. Sie verkochen in meiner Wut und brennen sich ein.
Wie kann dieser Mensch so .. mir fällt kein Wort dafür ein… so ekelhaft, so zerstörungswütig, so hasserfüllt, so krank sein?

Während ich hier schreibe kommt die nächste sms: „Fällt dir nicht ein woher du das kennst? Soll ich dir auf die Sprünge helfen?“
Ich antworte: „Willst du mir nochmal den Schmerz meiner Vergewaltigungen richtig schön ins Gedächtnis holen, oder was geht bei dir ab?“
Und wieder eine sms von Lisa: „du bist so selbstgerecht wie eh und je… das hat jetzt sogar meine erwartungen weit übertroffen.“

Ich muss an dieser Stelle abbrechen… Ich bin sprachlos und zerstört.

Krank.

Mein Mitbewohner hat mich heute morgen geweckt, weil ich im Schlaf geschrien hab. An den Traum erinnere ich mich nicht. Vielleicht war er zu schrecklich.
Ich fühle mich, als hätte ich keine Sekunde geschlafen diese Nacht. Mein Rücken schmerzt. Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Seit Tagen habe ich diesen heftigen Husten. Gestern habe ich, nach einem „Streit“ oder vielleicht besser Schlagabtausch mit Lisa, all ihre_seine Kontaktdaten gelöscht. Ich war kalt und hart. Nichts habe ich gefühlt. Jetzt fühle ich den Schmerz. Eigentlich bin ich aber taub. Ich verdränge. Angst, Schmerz, Liebe, Hass – extreme Gefühle kenne ich nicht mehr.
Normal? Oder krank?

Rauschgift.

Ich habe beschlossen unsere Beziehung und meine Gefühle dazu nochmal im Gesamtbild anzuschauen. Die schönen Seiten, die Fehler, die Schmerzen.

Vieles erscheint mir jetzt so winzig klein. Viele meiner Reaktionen, kann ich nicht mehr verstehen. Warum habe ich all diese kleinen Dinge zum Desaster gemacht und diese groszen immer verschluckt? Warum habe ich nicht begriffen, dass ich aus einer für mich sehr stabilen Position total aus- und einbreche? Ich habe alle Mechanismen aktiviert, die mir beim Verdrängen helfen konnten. Ich bin dünn geworden. Ich habe wieder begonnen Kalorien zu zählen. Die Magersucht hat meinen Alltag so überschattet, dass ich seltener an das Schreckliche denken musste, was sie mir angetan haben. Erst viel zu spät habe ich begriffen, dass mein abgemagerter Körper, doch nur die Schreie meiner erstickten Stimme nach auszen tragen soll. Erst viel zu spät schrieb Lila in einem Chat-Gespräch: „Ich kenne die Wahrheit, seht mich an, mein Körper ist eure Leinwand, ihr habt euch in mir verewigt.“ Ja, es ist nicht meine Kunst, sondern eure! Täter!
Jetzt beginne ich wieder meine Stimme zu erheben. Sie wird immer lauter werden. Denn ich will nicht sterben, nur weil ihr mir das Maul stopft!
Ich will nicht sterben – warum habe ich mich daran und an die Konsequenzen, die ich hätte ziehen müssen, nicht früher erinnert? Ich habe es doch schon im Sommer begriffen, als ich schlaflose Nächte auf der Intensivstation verbrachte, weil ich den Schmerz nicht mehr aushielt.
Vielleicht war es in kleinen Momenten zu schön, um es wahr haben zu wollen. Vielleicht war ich einfach nur zu abhängig von dieser Beziehung, von Lisa.
Lila glaubt, dass Lisa wie meine Essstörung ist. „Sie macht dich kaputt und du wirst daran verrecken, wenn du sie nicht loswirst, aber irgendwie brauchst du sie auf eine kranke Art und Weise.“

Ich beginne mir Schuldvorwürfe zu machen.
„Ich möchte mir das Verzeihen. Ich wurde gebogen und gebrochen. Ja, SIE haben mich zerbrochen. Ich trage keine Schuld.“, sage ich immer wieder leise vor mich hin. Ein wenig glaube ich mir das sogar.

…Obwohl ich den ganzen Tag im Bett lag, merkte ich Abends als ich aufstand, wie sehr es an meinen Kräften gezehrt hatte, über diese Beziehung nachzudenken. Wieder fühlte ich mich allein, sehnsüchtig, verletzt, abhängig. Mein Schädel dröhnte und mir war schlecht.

Ich weisz jetzt aber wie ich da ein bisschen besser rauskomme: Ich rede mit einer gewissen Distanz mit vertrauten Personen über die Situation, lasse mich aber nicht in ihre Arme fallen, lehne mich an, lasse mich stützen, aber nicht tragen. Ich schreibe auf, was ich fühle. Ich höre gute Musik und umgebe mich mit Menschen, die an die Kraft in mir glauben, aber negative Gefühle nicht klein reden.

Und vielleicht werde ich irgendwann glücklich sein.

Und jeder Gedanke an dich, reiszt mich zu Boden!

Am Anfang hab ich es kaum ausgehalten. Alles, wirklich alles, hat mich an Lisa erinnert. Ich musste nur meine Sauce mit Bohnenkraut würzen und schon war ich in Gedanken mit ihr (damals war sie für mich ein Mädchen) im Supermarkt und liesz mir erklären, wie ich Bohnenkraut nutzen kann. In der Nähe des Hauptbahnhofs sah ich uns plötzlich in der Sonne lachend über kleine Mäuerchen balancieren. Nirgendwo konnte ich mich vor Lisa schützen. Nirgendwo vor den Tränen.

Ich habe mir Hilfe geholt. Ich stehe es nicht weiter allein durch. So habe ich es geschafft mich zumindest von offensichtlichen „Vorrantreibern“ der schmerzlichen Erinnerungen zu trennen oder sie zu verstecken. Ich halte aus.

Aber immer und immer wieder tauchen da Kleinigkeiten auf, die mich zum Einbrechen bringen. Da ein kleiner Myspace-Statuskommentar bei einer Freundin, da ein Zettelchen im Collegeblock auf dem steht: „Hallo kleine Maus! – hab‘ Ich dir heut morgen eigentlich schon klar gemacht, dass ich in dich verknallert bin?! <3 ^^ schreib mich an! – große Maus“, …

Und jedes Mal liege ich da. Müde. Zerstört. Hilflos.
Verdammt, ich will kein Opfer mehr sein!

Verpiss dich, Lügner! – Meine Antwort auf das Leugnen seiner Tat

Verpiss dich! Verpiss dich mit deinen Lügen.
Du ekelst mich an. Du, der mir erzählt hat, dass er Schmerzen im Pimmel habe um eine Ausrede zu haben, sich neben mir einen runterzuholen. Du, der mir vorwarf, nur mit ihm zu spielen, ihn geil zu machen und mich dann nicht ficken zu lassen. Das ist noch lange nicht alles!

Ich hatte Angst vor dir, Angst neben dir zu schlafen und doch zu grosze Angst dich zu verlieren, um gegen dich und deine ekelhaften Vorstellungen zu kämpfen. Jetzt kenne ich die Wahrheit, du Lügner! Du Mann!

Du wolltest keine Nähe, du wolltest nur deinen Penis in mich stecken. Du hast es getan, obwohl du wusstest, dass ich keinen Sex haben kann. Du hast es getan mit dem Wissen, dass ich dabei Schmerzen habe. Aber du bist ja ein armer Mensch der so sehr unter seiner Männlichkeit leidet.
Ich habe dir geglaubt!

Du bist nicht willenlos gegen deinen Penis! Nein, das bist du nicht! Du wirst nicht geil, weil ich dich zwinge das zu tun, sondern weil du es so willst!
Du bist nicht das Mädchen in das ich mich verliebt habe. Du bist der Mann der mich unterdrückt hat, begreif es endlich, Arschloch!*

DU hast MICH unterdrückt! Du hast „es“ mir angetan.
Und nun hast du Angst vor deiner eigenen Tat. Du hast Angst die Konsequenzen ziehen zu müssen, also drehst du lieber alles um, stellst dich wieder als die arme Kleine dar, die unter einer psychisch kranken Person leidet.

Du bist ein Lügner, ein dreckiger Lügner. Ein Opfer deiner selbst, aber nicht meines! Du hast mich wieder zum Opfer gemacht! Ich will es nicht mehr sein! Ich will dich hassen! Endlich hassen, um dich nicht mehr schützen zu müssen, um nicht mehr unter dir leiden zu müssen, um dir die Kehle abschnüren zu können bis ich meinen Atem wieder habe. Den hast du mir geschenkt um mich wieder zu berauben. Dreckssack!

Du tust mir so unglaublich weh. Du weißt gar nicht, wie weh du mir tust.
Ich will weinen, schreien, toben. Aber ich kann nicht mehr. Nichts mehr. Ich bin müde. Nurnoch unendlich müde.

*Auch hier nochmal zur Erklärung: Bei Lisa handelt es sich um einen biologischen Mann. Ich habe ihn in seiner Transsexualität versucht zu unterstützen – ich sehe aber nun, dass eine männlich sozialisierte Person nicht so schnell zur Frau werden kann.

Die Forderungen an das Umfeld

Wir, als Betroffene,fordern…

…Solidarität mit den Betroffenen!
Das heißt:
-Ausschließung vom Täter aus sämtlichen Gruppen, die sozial oder politisch auf irgendeine Weise mit den Betroffenen in Verbindung stehen! Das bedeutet auch, dass keine Tätergespräche ohne Absprache mit den Betroffenen geführt werden und der Täter Veranstaltungen der Gruppen nicht besuchen darf.
-Die Anonymität der Betroffenen zu wahren! Kennt jemand die Identität der Betroffenen, heiszt das nicht, dass andere sie auch kennen sollten.
-Keine „skeptischen“ Nachfragen! Wir wollen uns nicht für unsere Handlungen rechtfertigen müssen. Schuldvorwürfe oder Fragen nach Details sind vollkommen unangebracht!
-Die Mistgabel im Schuppen zu lassen! Spontane Aktionen gegen den Täter sind nicht zum Wohle der Betroffenen!
[…]
…den Ausschluss von anderen den Täter schützenden Personen aus dem Umfeld!

All diese Forderungen sind nicht dazu da den Täter zu bestrafen und sich zu rächen, sondern dienen allein dem Schutz und dem Wohl der Betroffenen.

Der Schrei – Ein Brief an den Täter nach einer Konfrontation

Liebe Lisa,*

ich möchte zu dem was gestern passiert ist noch ein paar erklärende Worte hinzufügen.

Es war nicht unsere Absicht dich zu „verprügeln“ oder dass du das so empfindest (x bezeichnete es so). Unsere Absicht war, dir zu zeigen, was der Schmerz mit uns anrichtet, dich zu einer Reflektion anzuregen (was ist da los, wenn es so weit kommen muss?), zu verhindern, dass das nochmal jemandem passiert.
Ich zumindest glaube, dass du (vielleicht mit Hilfe einer Therapeutin) in der Lage bist das zu reflektieren, dass du ein besonderer Mensch bist, der es verdient hat das zu tun und sich durch sein Verhalten nicht selber Leid zufügen sollte.
Du kennst die Theorie. Mit niemandem hab ich so grosze und schöne Träume gehabt, wie mit dir. Ich möchte, dass du/wir es schaffen den Schmerz loszulassen irgendwann und unsere Träume Realität und Praxis werden.
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Erste Schritte aus der Passivität – ein Brief an ihn

Ich hab mir etwas überlegt und würde dein Einverstädnis abwarten:
Ich möchte dir gerne einen kurzen Text darüber schreiben wie ich die Situation am Mittwoch wahrgenommen habe. So weiszt du dann, inwiefern ich mich in meinen sexuellen Grenzen verletzt gefühlt habe.
Ältere Grenzverletzungen, vor allem die der psychischen Integrität, werde ich nicht auseinandernehmen, denn ich denke nicht, dass uns das momentan noch weiterhilft.
Du kannst das gerne erstmal auf dich wirken lassen und mir dann wenn du es für notwendig empfindest auch was zu den Grenzverletzungen erzählen, die von meiner Seite kamen – mir sie ein wenig besser erklären.
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Die zwei Seiten der Angst vor dem Verlust

- Ich schlucke alles runter, damit mein verletzliches Wesen nicht zerstört wird. Runterschlucken tu‘ ich schon alles immer, was meine (psychische) Integrität angreift.
- Symptom ist gerade primär die Situation in der wir uns befinden. Ich verschlinge das alles wieder so, dass ich mich taub und leer fühle. Am Liebsten würde ich zu dir rennen und schreien: „Alles ist wieder gut. Du hast mich gar nicht verletzt. Ich will dich nie verlieren. Arm. …“
- Ursache: Die vermeintlich schwache Seite der Verlustangst. Das hat natürlich wiederum eine Ursache, würde mir jetzt aber zu weit gehen.
- Die andere, wohl vermeintlich starke Seite ist, zu denken: „Du hast mich garnicht verletzt, weil ich unverwundbar bin und auch ohne dich auskomme. Ich lauf jetzt einfach weg vor dir. …“ oder so ähnlich.
- Ich habe das Gefühl etwas von dieser Seite in dir zu sehen. Damit bist du aber nicht stärker, eigentlich nur ganz genauso verletzt und ängstlich wie ich. Du machst dich nur auf eine andere Art „unverwundbar“.
- In beiden Fällen scheint die Angst im Konflikt zu groß, als dass du glaubst eine Konfrontation mit eben dieser bestehen zu können. Deshalb fliehen Menschen immer in die eine oder andere Richtung.
- Du ignorierst mich immer und verhinderst jede Kommunikationsmöglichkeit. Ich versuche dich dauernd zu erreichen. Beide Reaktionen werden hierdurch noch mehr ausgeprägt.
- Ich glaube, in solchen Situation müssen Menschen manchmal nur selbst verstehen, wieso sie tun was sie tun und wenn sie’s von allein nicht können, dann hilft es ihnen oft, erklärt zu bekommen, was jemand anders glaubt, wieso sie so handeln. Dann hören sie meist schon auf so zu handeln und es ist wieder möglich, über die eigentlichen Inhalte zu reden. So geht es mir jedenfalls wenn ich endlich mal jemanden finde, der mir hilft mich selbst zu verstehen.
- Wie der ganze Teufelskreis zu durchbrechen ist weiß ich nicht. Aber es könnte doch helfen einfach immer wieder anzuhalten und sich selbst zu fragen: „Halt stop, was genau tu‘ ich hier gerade?!“ und dann fragen: „Halt stop, was tut die/der Andere da gerade?“ und wenn dafür eine gute Erklärung gefunden ist, dann können meist beide erstmal wieder aufhören das zu tun. Und wenn nicht, dann ist es für den/die Andere/n zumindest nichtmehr so schlimm (vielleicht).
- Das ist vielleicht der ganze Witz daran: sich zu verstehen und dann trotz der ganzen Angst zu kommunizieren, wie man sich wirklich fühlt
- Es ist garnicht nötig sich um 180° zu ändern und perfekt zu werden. Es ist nur nötig sich gegenseitig zu verstehen und sich immer wieder auf’s Neue verstehen zu wollen.
- Mir gehts jetzt auch schon besser, wenn ich weiß, dass ich dir garnicht egal bin, sondern im Gegenteil wahrscheinlich auch total wichtig. Weshalb du ja gerade solche Angst hast und dich soundso verhältst (so denke ich)…

Krankhaft verliebt

Weiszt du, ich bin doch immernoch ich.
Ich versuche mit viel Kraft mich zu biegen in die Richtung die dir beliebt. Bevor ich aber vor lauter Biegen zu zerbrechen drohe, bleibe ich dann lieber ich. Ich mit meinen Fehlern. Ich mit meinen Sorgen, hoffnungslosen Träumen und meinen Ängsten, die du wohl nie verstehen wirst.
(Vielleicht akzeptierst du sie irgendwann?!)

Krankhaft verliebt, abhängig, süchtig.