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Vergeltung.

Die weißen Wände. Die weiße Bettdecke. Das weiße Kissen. Seine Haut. Ihre weiße Haut und ihr weißes Kleid. – Blutüberströmt.

Das Messer hatten die Erinnerungen tagtäglich Jahre lang geschliffen. Es sollte ihn zerfetzen, wie er sie zerfetzt hatte. In Stücke, die nie wieder ihren Weg zueinander finden konnten ohne Narben zu hinterlassen. Narben, derer es aufzureißen nicht viel vermochte.

Die weißen Wände. Die weiße Bettdecke. Das weiße Kissen. Seine Haut. Ihre weiße Haut und ihr weißes Kleid. – Blutüberströmt.

Das Messer – matt glänzend rot.

Er riecht meine Angst!

Normalerweise habe ich Flashbacks, wenn ich Sex habe. Heute Nacht war es anders. Ich habe dagelegen, eine Doku geschaut und plötzlich war er da, dieser Dreckssack aus Rumänien, Geo. Ich sehe ihn die ganze Zeit vor mir. Ich sehe diesen alten Mann. Ich sehe wie er schon kommt bevor er drin ist. Wie er es immer wieder will, egal wo und egal wer noch im Raum ist. Dieses pedophile Schwein! Ich kann nicht mehr. Ich habe so eine riesen Angst vor ihm. Er ist überall. Egal was ich tue. Überall ist er. Ich sehe ihn in meine Zimmertür reinkommen, ich will schreien, aber ich habe keine Stimme mehr.

Ich rufe und schreibe Lisa an. Lisa ist der einzige Mensch, der mich da rausholen kann, der mich so kennt. Lisa scheint zu schlafen – sie reagiert nicht. Lila will ich damit nicht belasten, vielleicht würde es sie an sich selbst erinnern.
Irgendwann ist x da. Er schreibt mit mir, versucht mich von meinem Trip runterzuholen. Über eine Stunde dauert es, bis ich wieder einigermaszen klar denken kann und einschlafe.

Der erste Gedanke nach dem Aufwachen: Geo!
Zum Glück ruft mich mein bester Freund, Paul, an – er will sich mit mir treffen bevor er wieder in den Zug steigt um nach Hause zu fahren. Paul kennt meinen Schmerz nicht. Trotzdem fühle ich mich bei ihm sicher. Er würde nicht zulassen, dass dieser Wixxer mir etwas antut. Nur einmal ganz kurz taucht Geo auf, als ich mit Paul etwas zu Essen kaufe. Denn essen ist Schwäche. Ich müsste „Nein!“ sagen. Ich glaube, er kommt immer dann, wenn er merkt, dass ich unsicher bin und nicht „Nein!“ sagen kann.

Zu Hause, als ich auf meinem Bett sitze, ist er wieder da. Ich gerate dauernd in Panik hier. Ich weisz nicht, wie ich den hier rausbekommen soll. Das sind keine Flashbacks mehr. Das sind Halluzinationen.

Lisa versucht mir nahezulegen in eine Klinik zu gehen. Notaufnahme. Beobachtung. Medikamente. Ich will da nicht hin. Ich will nicht entmündigt werden in diesem Knast. Ich will mir meine Klinik aussuchen können. Nicht in dieses Drecksloch. Aber ich wehre mich nicht vehement. Ich weisz, dass ich hingehen sollte. Ich brauche ja Hilfe!

Erstmal bleibt aber Lila bei mir und als ich Nachts in meinen Träumen wieder tief ins Loch der Vergewaltigung falle ist sie da und sagt mir, dass mir nichts passieren wird.

Wann aber und wie wird das aufhören? Wann kann ich allein schlafen? Wann ohne Tabletten? Ist mein gebrochenes Ich wieder so zu heilen wie ein gebrochenes Bein?

Das hat Lisa mir geschickt: http://www.youtube.com/watch?v=syUSmEbGLs4&NR=1&feature=fvwp („ab ~2:00″, hat sie geschrieben. Die „Hymne der Hoffnung“)